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Schloss Belvedere

In früheren Zeiten wurde hier Geschichte geschrieben. Vom Erbauer des Schlosses, dem Prinz Eugen z.b. oder von den Unterzeichnern des österreichischen Staatsvertrags die den Prunksaal im Oberen Belvedere als Bühne für die Unterfertigung eines epochalen Vertragswerks, dem Staatsvertrag nutzten. Triumph und Tragik der österreichischen Geschichte. In kaum einem Gebäude spiegeln sie sich so eindrucksvoll wie im Schloss Belvedere in Wien. Belvedere, das Wort kommt aus dem italienischen und bedeutet schöne Aussicht. Und die hat man wirklich von hier. In Wien sperren sich allerdings viele gegen die korrekte Aussprache Belvedere hartnäckig hält sich die falsche französische Variante.

300 Jahre Geschichte

300 Jahre Geschichte und wenn man sich nur vorstellt wer alle hier spazieren gegangen ist. Kaiserin Maria Theresia, ihre Tochter Marie Antoinette die Frau Ludwig XVI die dann umgebracht wurde hingerichtet wurde in Paris. Anton Bruckner ist hier spaziert und natürlich der Thronfolger Franz Ferdinand der das Schloss massiv umgebaut hat auf den letzten Stand der Technik gebracht hat.

300 Jahre hochinteressante intensive Geschichte, Baugeschichte, persönliche Geschichte. Seit drei Jahrhunderten bezaubern Park und Schloss Belvedere nun schon die Wienerinnen und Wiener, aber auch Besucher aus aller Welt. Er hat sich mit der prachtvollen Schlossanlage ein Denkmal gesetzt. Prinz Eugen von Savoyen der ruhmreiche Feldherr in Diensten der Habsburger.

Prinz Eugen von Savoyen

Johann Lucas von Hildebrandt

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts beauftragte der hochgebildete Militär den Barockarchitekten Johann Lucas von Hildebrandt mit dem Bau eines Sommersitzes weit vor den Toren der Stadtmauern Wiens Lukas von Hildebrandt lieferte und schuf eines der Meisterwerke des österreichischen Barock. Bauherr Eugen war hochzufrieden. Kleiner Mann, ganz groß.

Eugen war, wie man in Wien vielleicht heute sagen würde ein bisschen schiarch, man kann das ruhig so sagen er war berühmt berüchtigt und als Armee Kommandant war er sogar in Uniform manchmal verschmutzt anzutreffen, verstaubt, Kautabak Flecken auf seiner Uniform, also etwas das damals absolut unüblich war und so gut wie nie vorgekommen ist.

Türkenbelagerung und Prinz Eugen von Savoyen

Auf der anderen Seite aber, war Prinz Eugen unfassbar kunstsinnig und Elegance aufgeschlossen und das hat sich natürlich hier in den Schlössern, im Unteren und dem Oberen Belvedere manifestiert. Dabei muss Eugen ein durchaus neurotischer Mensch gewesen sein. Heutige Biographen beschreiben den Savoyer als hochintelligente Person, der sich auf gesellschaftlichem Parkett alles andere als gewandt bewegte. Auf dem Schlachtfeld allerdings, legt Eugen eine erstaunliche Courage an den Tag. Ohne seine militärischen Heldentaten wären die türkischen Eroberer im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert weit nach Mittel- und Westeuropa vorgestoßen. Eugen war es, der die osmanischen Armee in blutigen Feldzügen zurückdrängte und weite Teile des Balkans vom sogenannten türkischen Joch befreite.

Wer auf dem Schlachtfeld Habsburgs Glanz und Gloria so kompromisslos verteidigt, hat sich zu Hause in Wien ein bisschen Entspannung verdient. In einem glamourösen Sommerschloss z.b. dass in Sachen Prachtentfaltung alle Stücke spielte und spielt. Es waren unglaublich bewegte Zeiten in Wien. Die zweite Türkenbelagerung war gerade vorbei, in Wien wütete die Pest und der Spanische Erbfolgekrieg war im Gange und trotzdem war so etwas wie eine Aufbruchstimmung in Wien zu spüren.

Große österreichische Adelsfamilien, die Liechtensteins oder die Schönborns ließen sich außerhalb der Stadtmauern Schlösser oder Palais bauen und da konnte Prinz Eugen natürlich nicht hinten anstehen. Auch er hat, außerhalb der Stadtmauern, damals war’s nur von den Türkenkriegen verwüstet und Ödland, eines der schönsten und elegantesten Schlösser Europas gebaut und wir Wiener sind ihm bis heute ausgesprochen dankbar dafür. Hier hat sich einer der reichsten Männer seiner Zeit eine Stätte glanzvoller Selbstrepräsentation geschaffen. Als Sommersitz vollendet, war der Hausherr in ganz Europa bewundert.

Bereits einiges über 60 Jahre alt, porträtierte Bildhauer Balthasar Permoser den Prinzen in dieser eindrucksvollen Marmorgruppe. Die Apotheose also die Vergöttlichung des Prinzen Eugen.

Von vielen seiner Zeitgenossen wird Prinz Eugen manchmal als schrullig beschrieben. Das hat sich aber schlagartig geändert, wenn er mit intellektuellen Menschen sei es korrespondiert oder gesprochen hat. Hier sind vor allem ein Montesquieu und natürlich Voltaire zu nennen Mit Voltaire gab es einen unglaublich langen und interessanten Briefwechsel. Er konnte darüber hinaus auch noch den berühmten Philosophen Leibniz als Berater für seine Sammlungen gewinnen.

Kunstsammler Prinz Eugen

Prinz Eugen war ja nicht nur auf dem Schlachtfeld sehr erfolgreich sondern er war auch ein äußerst versierter Kunstsammler. Die Kunstsammlung des Prinzen Eugen genoss europäisches Renommee. Ebenso die eindrucksvolle Bibliotheken die der Savoyer von Abgesandten in aller Welt zusammen kaufen ließ. 15.000 Bände die heute zum Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek in der Hofburg gehören.

Als typischer Gelehrter des Barock interessierte sich Eugen nicht nur für die Welt der Kultur, auch alles was da kreuchte und fleuchte, wuchs und gedieh weckte seine Begeisterung. Um seiner Leidenschaft für Pflanzen zu frönen ließ der Prinz im Unteren Belvedere eigens eine Orangerie einrichten. In der Orangerie ließ der Prinz exotische Pflanzen anbauen. Es gab Bananenbäume, Ananasbäume, es gab die exotischen Früchte die man sich nur vorstellen kann.

Dazu war es natürlich sehr kompliziert die zu bewässern und so hat Prinz Eugen ein eigenes Bewässerungssystem das von den Hängen des Wienerwaldes bis hierher geleitet wurde eingebaut.

Die Menagerie

Ein Barockfürst der etwas auf sich hält, musste sich auch eine repräsentative Tiersammlung zulegen. Der Schlossherr des Belvedere entwickelte diesbezüglich einen ganz besonderen Ehrgeiz. Raubtiere, Büffel, Affen, alle Arten von Vögeln. Der Privatzoo des Prinzen war reich bestückt. die Männer die hier im Schloss Belvedere war damals

Festivitäten in der Menagerie

Den zahmen Löwen war eine ganz besondere Rolle zugedacht. Gäste des Prinzen sollten diese in der Menagerie des Schlosses erschrecken. Manchmal war eben auch der ernste Generalfeldmarschall zu neckischen Streichen aufgelegt. Regelmäßig empfing der machtbewusste Prinz in seiner Sommerresidenz Fürsten, Generäle und Diplomaten aus aller Welt zu Audienzen und geheimen Beratungen. Abends hat man in der Regel gefeiert.

Wenn es nicht zu groß hergegangen ist, so war hier einiges los.Prinz Eugen war ja ein eiserner Junggeselle. Auch an quasi ruhigen Abenden hat es kleine Festivitäten gegeben. Prinz Eugen hat enge Freunde eingeladen und dann hat man bis in die frühen Morgenstunden Karten gespielt. Sein Lieblingsspiel, das war Piquet.

In seinen letzten Jahren zog sich der Türkenbezwinger aus dem öffentlichen Leben mehr und mehr zurück. In dieser Zeit konnte man den alten Prinzen häufig durch den Garten seines geliebten Sommerschlosses spazieren sehen. Am 21. April 1736 starb Österreichs bedeutendster Feldherr an einer Lungenentzündung. In einem pompösen Leichenbegängnis wurde Prinz Eugen in einer ihm eigens gewidmeten Kapelle im Stephansdom zur letzten Ruhe gebettet. Sein Herz hat man in der Grabkirche des Königshauses Savoyen in Turin bestattet

Victoria von Savoyen

Nach dem Tod des Bauherrn brachen unerfreuliche Zeiten für das Belvedere an. Als Universalerbin wurde seine 52-jährige Nichte auserkoren. Er hat sie in seinem Leben nur einmal gesehen Anna Victoria von Savoyen. In Wien hat man sie die unschöne Victoria genannt. Man kann sich schon vorstellen warum. Das Tragische war, sie hatte überhaupt keinen Bezug zu diesem prachtvollen Kunstgegenständen. Und auch zu den Gebäuden. Sie hat auf wienerisch gesagt alles innerhalb kürzester Zeit verscherbelt. Victoria verschacherte die Antikensammlung an den Dresdner Hof, die Gemälde gingen nach Turin an den König von Sardinien und die Menagerie, das war eigentlich für die vielen Wiener das schlimmste, die wurde pauschal an das Hetztheater verkauft wo die meisten der Tiere grausam zu Tode kamen.
Heutige Historiker sehen Anna Victoria von Savoyen in günstigerem Licht. Sie habe sich sehr wohl um den Erhalt des Schlosses bemüht heißt es. Das die Universalerbin Teile des eugenischen Gesetzes verkaufen musste sei schlicht und einfach der Tatsache geschuldet, dass sie nicht über die gleichen Geldmittel verfügte wie der Prinz. Es musste ganz einfach gespart werden. Wie auch immer, auch nach dem Verkauf der Menagerie blieben einzelne Tiere noch im Schloss.

1752 entschloss sich die “unschöne” Victoria dann nach Turin zu übersiedeln. Am Hof soll man diesen Umstand nicht wahnsinnig bedauert haben und Maria Theresia erwarb das Schloss dass erst von da weg Belvedere hieß. Sie ließ das ganze Schloss, den Park alles instand setzen, nur die Orangerie, die übersiedelte nach Schönbrunn. Es verblieb hier im Schloss nur ein Bartgeier und ein Adler. Alle anderen Tiere gingen nach Hietzing und der Geier so sagt man, ist erst im Jahre 1823 gestorben.

Die Regierungszeit Maria Theresias gehört zu den Glanzepochen der österreichischen Geschichte. Man hat die bedeutende Habsburgerin als Märchenkönigin verharmlost, man hat sie zur großen mütterlichen Barock Liebenden umgekitscht zur 16 fachen Vorzeigemutter die ihrem Mann Franz Stephan eine innig liebende Gattin war und ihren Kindern eine strenge aber einfühlsame Erzieherin. Zugleich von ihren Feinden bedrängt konnte Maria Theresia ihr Reich nur aus einem einzigen Grund zusammen halten. Weil sie auch eine knallharte Machtpolitikerin war. Dem preußischen Gesandten in Wien hat Maria Theresia freilich auch mit ihren weiblichen Reizen beeindruckt. “Die Kaiserin ist eine der schönsten Fürstinnen von Europa. Allen ihren Nachtwachen und Wochenbetten zum Trotz hat sie sich sehr gut konserviert. Sie hat einen majestätischen und doch zugleich freundlichen Blick. Man nähert sich ihr nicht ohne von Bewunderung durchdrungen zu sein.”

Mit Schloss Schönbrunn ließ sich die bewunderte Kaiserin einen imposanten Sommersitz weit vor den Toren Wiens erbauen. Einen Sitz, der das Belvedere an Glanz und Größe noch in den Schatten stellte. Dennoch, Maria Theresia legte ihr Augenmerk auch auf Erhalt und Pflege des zweiten großen Wiener Sommerschlosses, des Belvedere. Bot das charmante Barockschloss doch auch ihren Kindern eine passende Bühne wenn herzeigbare Locations gesucht wurden.

Verlobung von Maria Antoinette

Im Jahre 1770 fand in diesen Räumlichkeiten das sicherlich größte und spektakulärste Fest, dass das Belvedere je gesehen hatte statt.

Marie Antoinette, die Tochter von Maria Theresia verlobte sich mit dem Dauphin von Frankreich, dem zukünftigen König Ludwig dem XVI und das musst du natürlich massiv gefeiert werden.
16.000 Personen waren eingeladen. Man wollte natürlich auch ein bisschen angeben und Eindruck bei den Franzosen schinden. Zehntausende Lampions und Kerzen erhellten den Park des Belvedere. Zwei 80 Mann Orchester spielten, drei eigene kleine Orchester in den Seitenteilen. Das muss ein ganz unglaubliches Fest gewesen sein und natürlich ahnte niemand das 20 Jahre später Marie Antoinette auf dem Schafott in Paris hingerichtet werden würde.

Der Canalettoblick über Wien

Auf dem Höhepunkt der Theresianischen Ära kam der italienische Künstler Bernardo Bellotto genannt Canaletto für zwei Jahre nach Wien. Ende der 1750 erschuf Canaletto diese berühmte Wien Ansicht vom Park des Belvedere aus. Der sogenannte Canalettoblick gilt Denkmalschützern bis heute als Maßstab für die Skyline der Wiener Innenstadt. Einige Jahre nach Canalettos Abreise aus Wien erlebte Schloss Belvedere dramatische Veränderungen. An vorderster Stelle verantwortlich dafür war dieser Mann.Maria Theresias ältester Sohn, Josef II.

Die Öffnung für die Allgemeinheit

Josef II war ja ein ungemein aufgeklärter Herrscher. Im Jahre 1776 hat er gemeinsam mit Maria Theresia die Gemäldesammlung von der Stallburg hierher übersiedelt. Was war das Sinn und Zweck? Er wollte die Bilder der Allgemeinheit zugänglich machen. Montag, Mittwoch und Freitag durfte das Volk hierher kommen die Bilder bestaunen und das war schon in irgendeiner Form eine kleine Revolution und ganz im Sinne des aufgeklärten Absolutismus. Ein gutes Jahrhundert lang, war das Belvedere von nun an eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt.

Nicht alle hatten ihre Freude damit dass das gemeine Volk sich nun an den Schätzen der kaiserlichen Sammlungen ergötzen durfte. Der Wiener Schriftsteller Johann Pezzl, ansich der Aufklärung zugerechnet äußerte sich schroff ablehnend über die josephinische Museumreform. An den Montagen ist gewöhnlich ein Gedrängvolles Getümmel. Eine Menge Bürgersleute von den unteren Klassen, Handwerksburschen die den blauen Montag machen ja sogar geringe Dienstmädchen mit Kindern besuchen die Bildergalerie. Ihren wünschte ich nun wohl eine Abänderung. Die Kinder sind der Galerie gefährlich. Sie betasten manchmal mit schmutzigen Fingern die vortrefflichsten Stücke.

Auf Wunsch Maria Theresias sollte der Schlosspark als Lustgarten für das Publikum dienen. Ein Angebot, das bis heute gern angenommen wird.

Napoleon und der Kunstraub

Die Stürme der Geschichte. In den letzten 300 Jahren sind sie immer wieder mit Wucht über Schloss Belvedere hinweg gebraust, z.b. in Gestalt des korsischen Eroberers Napoleon Bonaparte dessen imperialer behrlicher Blick vor allem den Kunstsammlungen des Schlosses galt. Nachdem er im Jahre 1809 die Österreicher vernichtend geschlagen hatte, ist er gleich in Schönbrunn eingezogen. 4 Tage später ist bereits der Direktor der französischen Kunstmuseen nach Wien geeilt und ist hierher gekommen und hat sich 400 Kunstgegenstände geschnappt, unter anderem auch die Marienfahrt von Rubens.

Man sagt sogar in der Eile weil das Gemälde so groß war, wurde es in drei Teile zersägt um es noch besser transportieren zu können. Also Napoleon hatte da absolut keine Skrupel. Das beruhigende – später sind dann viele dieser gestohlenen Kunstgegenstände wieder nach Österreich zurückgegeben worden. Im 19. Jahrhundert machte sich vor allem ein Mann um das Belvederes verdient der Historien und und Porträtmaler Johann Peter Krafft, der als Direktor der kaiserlichen Gemäldegalerie mit eiserner Energie die Renovierung und behutsame Modernisierung von Schloss und Park ins Werk setzte.

Krafft fand dabei tatkräftige Unterstützung durch Kaiser Franz Joseph. Das ganze 19 Jahrhundert über blieb das Belvedere Museum. Darüber hinaus konnte man sich aber hier im Park sehr gut unterhalten. Im Sommer gab es Wasserfeuerwerke, im Winter konnte man Eislaufen. Allesamt Dinge, von denen die Bundesgärten wahrscheinlich heute nicht wirklich begeistert wären.

Revolutionäre Truppen im Schlosspark

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. 1848 wurde auch Wien von einer blutigen Revolution erschüttert. Das Belvedere Jahre lag mitten in der Kampflinie. Revolutionäre Truppe unter General Józef Bem schlugen im Oktober 1848 ihr Feldlager im Garten des Schlosses auf. 15000 Mann. Sie sollten Wien gegen die Konterrevolutionären Truppen des kaisertreuen Fürsten Windisch-Graetz verteidigen. Bei der Schlacht um Wien kamen 2000 Menschen ums Leben. Es gab an die 10.000 Verwunderte. Die Zerstörungen in der Stadt waren enorm. Schloss und Park des Belvedere aber blieben unversehrt. Dann brachen wieder friedlichere Zeiten an.

Übersiedelung der Kunstsammlung in die Ringstraße

Am Weihnachtstag des Jahres 1857 gab Kaiser-Franz-Josef den Startschuss zu einem der größten städtebaulichen Projekte des 19 Jahrhunderts. Die Basteien Wiens wurden niedergerissen. Anstelle der alten mittelalterlichen Stadtmauer entstand ein 5 km langer Prachtboulevard, die Ringstraße. Mit ihr setzte sich die K&K Residenzstadt Wien ein triumphales Denkmal. Eines der markantesten Gebäude auf dem neuen Ring ist das Kunsthistorische Museum 1891 eröffnet. Auf dem Höhepunkt der Belle Epoque wurden die kaiserlichen Kunstsammlungen aus dem Belvedere hierher übersiedelt. Das Ergebnis, eines der schönsten und prachtvollsten Kunstmuseen der Welt.

Anton Bruckner und die neunte Symphonie

In den 1890er Jahren konnten die Wienerinnen und Wiener hier im Park oft eine etwas seltsame Gestalt beobachten, ein älterer behäbiger, nicht sehr großer Herr der so ein paar Schritte hier auf den Wegen ging sich dann wieder erschöpft hinsetzen musste. Das war niemand geringerer als Anton Bruckner, der die letzten 14 Monate seines Lebens hier im Schloss Belvedere verbracht hat.
Er hat hier gewohnt. Es war sein sehnlichster Wunsch hier im Schloss von Prinz Eugen zu wohnen. Er hat gesagt er hat sich immer der Natur so nahe gefühlt und der Kaiser hat ihm letztendlich diesen Wunsch erfüllt. Anton Bruckner ist im Oktober 1896 gestorben hat in den letzten Wochen noch vor seinem Tod an der neunten Symphonie gearbeitet. Aber er hat sie wie wir wissen leider nicht beendet.

Franz Ferdinand und seine Sophie

Drei Jahre nach Anton Bruckners Tod zog ein neuer Hausherr ins einstige Sommerschloss des Prinzen Eugen. Franz Ferdinand von Österreich-Este. Er sollte dem greisen Kaiser-Franz-Josef nach dessen Tod als Regent des Habsburger Imperiums nachfolgen. Der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand soll ein wenig ruppig gewesen sein. Das liest man immer wieder und er hat viele Leute damit auch vor den Kopf gestoßen. Er war in jedem Fall ein fanatischer Jäger und soll so um die 275 000 Tiere im Laufe seines Jäger Lebens geschossen haben.

Die Strecke war ganz bunt gemischt Tiger, Faultier, Känguru und so weiter und so fort und natürlich auch eine Unzahl einheimische Tierarten. Obwohl der Thronfolger ein eher schroffer Charakter gewesen sein soll, gelang es einer Frau sein Herz zu erobern. Sophie Chotek von Chotkowa. Mitte der 1890er Jahre lernte der Thronfolger die böhmische Aristokratin auf einem Ball in Prag kennen. Sophie stand in der gesellschaftlichen Rangfolge des Habsburgerreiches weit unter dem künftigen Kaiser. Gleichwohl setzte der Thronfolger eine Heirat mit der schönen Böhmine durch. Sophie und ihre Kinder mussten allerdings allen Ansprüchen auf den Thron des Habsburgerreiches entsagen. Auf der anderen Seite war der Thronfolger ein absoluter Familienmensch. Sophie muss er abgöttisch geliebt haben, denn sonst wäre diese Hochzeit nie zustande gekommen.
Sophie war nicht standesgemäß nicht ebenbürtig und es hat viele Anläufe gebraucht, auch beim Kaiser-Franz-Josef bevor er seine Sophie heiraten durfte.

Der Thronfolger und seine Familie hatten mehrere Schlösser. Schloss Belvedere war die Wiener Residenz Franz Ferdinands. Wobei man sagen muss, die versnobteren Teile der K&K Gesellschaft hielten den Thronfolger für einen Kunstbanausen. Bei der Instandsetzung des Schlosses Belvedere allerdings legte der Neffe Franz Josefs ein erstaunliches Maß an Sensibilität an den Tag. Das Gebäude war als barockes Sommerschloss errichtet worden. Man musste es aber jetzt für das 20 Jahrhundert fit machen. Franz Ferdinand hat unglaublich viel umgebaut im Belvedere.

Elektrische Leitungen, eine ganz moderne Dampfheizung, sanitäre Anlagen, ein Telegrafenamt und noch vieles mehr. Das war alles relativ teuer – 600 000 Gulden. Aber so sagen Architekten noch heute, Franz Ferdinand hat viel Fingerspitzengefühl in den Umbau gelegt. Er hat wirklich genau geschaut welche Materialien passen. Er war ja auch zuständig für den Bau der Neuen Burg. Und das darf man nicht vergessen, er war Chef des Bundesdenkmalamtes, er war der oberste Denkmalschützer Österreichs. Im Frühsommer 1914 tratten Franz Ferdinand und seine heißgeliebte Gattin Sophie ihre letzte Reise an.

Manöverbesuche in Bosnien Herzegovina. Am 28. Juni gab das Thronfolgerpaar dem Rathaus von Sarajevo die Ehre. Schon auf dem Weg zum Rathaus scheiterte ein erstes Attentat. Der Thronfolger konnte eine auf seinen Wagen geworfene Bombe mit dem Arm gerade noch abwehren. Auf der Fahrt zurück vom Rathaus wurden der Thronfolger und seine Frau vom serbischen Attentäter Gavrilo Princip durch zwei Pistolenschüsse aus einer 9mm Browning ermordet. Die Monarchie stand unter Schock. Die Särge der Ermordeten wurden nach Triest überführt, wo sie mit militärischen und geistlichen Ehren in Empfang genommen wurden. Dann ging der Weg weiter nach Wien. Zeitzeugen berichteten, dass der Tod Franz Ferdinand in Österreich-Ungarn nicht nur Trauer ausgelöst hat.

Am Hof Franz-Josef soll es einflussreiche Menschen gegeben haben die das Attentat mit klammheimlicher Freude erfüllte. Vor allem konservative Kreise, schienen nicht unerfreut über das Ableben Franz Ferdinands.

Der Erste Weltkrieg

Das Attentat auf den Herren des Schlosses Belvedere war der Auftakt zum bis dahin opferreichsten Krieg der Menschheitsgeschichte. Im Sommer 1914 zogen Millionen Europäer in patriotischem Taumel ins kriegerische Geschehen. In die ersten Schlachten des Weltkriegs gingen auch die Soldaten Österreich-Ungarns mit gewaltigem Enthusiasmus. Die Stimmungslage änderte sich allzu bald. Die Bilanz des Ersten Weltkriegs war katastrophal. 17 Millionen Tote 20 Millionen Verwundete und die gigantische Vernichtung materieller Ressourcen. Je länger der Krieg dauerte umso verzweifelter wurde die Lage auch an der sogenannten Heimatfront. Besonders schlimm war die Situation in Wien. Die kaiserlich-königliche Residenzstadt hungerte. Dazu kamen Krankheiten wie Tuberkulose und die Spanische Grippe die tausende und abertausende von Menschenleben forderten.

Aus Erzählungen weiß man, dass es damals so eine Hungersnot in Wien gegeben hat, dass man im Garten des Belvedere Hühner gezüchtet hat, Schweine sind herumgelaufen und Bienen haben Honig produziert. Mit der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg zerbrach die Habsburger Monarchie. Das kleine Restösterreich wurde zur Republik. Die Habsburger die sieben Jahrhunderte lang die Geschicke des Landes bestimmt hatten wurden enteignet. Nach dem Ende der Monarchie räumte Erzherzog Maximilian mit seiner großen Entourage das Feld und der Arbeiter- und Soldatenrat des vierten Wiener Gemeindebezirkes gab Schloss Belvedere zur Besichtigung frei. Und Schloss Belvedere wurde natürlich von den Besuchern gestürmt. Jeder wollte wissen wie es im Schloss aussah, wie hat man gewohnt und das Schloss wurde dann, so wie viele andere habsburgischen Besitztümer enteignet und gingen in den Besitz der Republik über.

Das galt auch für die kaiserlichen Kunstsammlungen. Nachdem man im Unteren Belvedere bereits 1903 eine sogenannte neue Galerie eingerichtet hatte, wurden nun auch die Orangerie und das Obere Belvedere zu Museen. Österreichische Galerie so hieß das Haus ab nun. Von exzeptionellen Meisterwerken mittelalterlicher Kunst bis hin zu weltbekannten Gemälden von Gustav Klimt und Egon Schiele. Die österreichische Galerie zieht auch heute noch Jahr für Jahr Besucherinnen und Besucher an. 1,3 Millionen per anno waren es zuletzt.

Österreichischer Staatsvertrag

Sonntag, 15.05.1955, Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges und der Befreiung vom Nationalsozialismus war Wiederaufbau angesagt. Die führenden Politiker des besetzten Landes rangen um die Wiedererlangung von Freiheit und staatlicher Souveränität. im Mai 1955 war es soweit. Die Außenminister der alliierten Mächte kamen nach Wien um den österreichischen Staatsvertrag zu unterzeichnen.

Die Magna Carta der zweiten Republik. Warum man ausgerechnet Schloss Belvedere zum Schauplatz der Staatsvertragsunterzeichnung erkoren hat, darüber lässt sich heutzutage nur noch spekulieren. Man darf annehmen, dass führende ÖVP Politiker wie Bundeskanzler Julius Raab, Außenminister Leopold Figl dem roten Bundespräsidenten Theodor Körner keine große internationale Bühne bieten wollten.

Damit schied die Hofburg in der Wiener Innenstadt aus. Schloss Schönbrunn wiederum, der repräsentative Sommersitz der Habsburger war im Frühjahr 1955 optisch nicht in bestem Zustand. Und das Bundeskanzleramt am Ballhausplatz verfügte über keinen ausreichend großen Raum. Blieb also nur das Sommerschloss des Prinzen Eugen.

Staatsvertrag Unterzeichnung

Schloss Belvedere heute – Weihnachtsdorf

Öffnungszeiten Weihnachtsdorf

22. November – 31. Dezember 2019
freier Eintritt

Montag – Freitag: 11:00 – 21:00 Uhr
Samstag, Sonntag: 10:00 – 21:00 Uhr
24. Dezember: 11:00 – 16:00 Uhr
25. Dezember – 30. Dezember: 11:00 – 19:00 Uhr
31. Dezember: 11:00 – 18:00 Uhr

www.belvedere.at

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