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Secession

Am Anfang war Opposition. 1892 wollten die Jungen Wilden demonstrativ etwas ganz Neues, ganz Anderes machen. Sie scharten sich um den Protagonisten Gustav Klimt, einst Historienmaler der Ringstraße und Meister der Alten Schule, jetzt Revolutionär.

1897 gründete er mit Koloman Moser, Josef Engelhart, Josef Hoffmann und anderen die bis heute bestehende Künstlervereinigung Secession.

Ihren Widerstand gegen das Establishment und den Historismus drückten die Secessionisten damit aus, dass sie sich in die Welt der Antike flüchteten. Die Wiener Jugend verstand trotzdem, worum es ging, und zeigte Sympathie für die Aufmüpfigen, deren Schlagwort lautete: „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.“ Das Motto steht bis heute in güldenen Lettern am Gebäude der Secession (1898) nahe dem Karlsplatz. Damals erwarteten die Künstler keine Anregungen mehr von der siechenden Monarchie, sie wollten Erneuerung, Fortschritt – gerade auch in der Kunst.

Die Historienpracht Wiens schmähten sie als „Potemkinsches Dorf“, die funktional-schönen Bauten eines Otto Wagner dagegen (Postsparkasse, Stadtbahn) galten als modern. Das Secessionshaus war ein Zufluchtsort am Vorabend des Umbruchs in Europa und des Untergangs der Donaumonarchie. Wegen seiner vergoldeten Lorbeerblätter erhielt es in der Bevölkerung den Spitzname Krauthappel (Kohkopf). Bis heute wirkt das Gebäude fremd wie der Tempel einer wunderlichen Sekte.

Sein Inneres ist völlig offen, ein Raum für alles – heiliger Gral, Meditationsstätte, Ort der Revolutionsplanung. Offen wollte man zur Zukunft hin sein, rückwärts orientiert wie die Traditionalisten.

Die Secession ist nur vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen und sozialen Umbruchsituation zu verstehen, in Wahrheit waren ihre Anhänger Aussteiger, die sich nach einer anderen Welt sehnten, nach Schönheit, Poesie und Empfindsamkeit. Erklärtes Ziel war es, die einzelnen Künste – Architektur, Malerei, Skulptur und Musik – in einem großen Gesamtkunstwerk zusammenzuführen.

Später liefen der Bewegung die Väter weg. Klimt distanzierte sich, Wagner machte als Architekt Karriere – die Secession blieb eine Art Pubertätsfieber. Als zeithistorisches Dokument ist das extravagante Gebäude geblieben, in dem heute Wechselausstellungen gezeigt werden.

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