fbpx
Kunsthistorisches Museum
16 August 2019
Secession
16 August 2019

Sigmund Freud Museum

Der Vater der Psychoanalyse, die nicht nur eine Behandlungsform ist, sondern eine neue Sicht auf den Menschen eröffnete, hat die Zivilisationsgeschichte nachhaltig beeinflusst. Wer diese Praxis betreten will, braucht heute keinen Termin. Man läutet und es wird einem freundlich geöffnet. Die Wohnung von Sigmund Freud liegt in einem noch immer von mehreren Pateien bewohnten Gründerzeitgebäude.

Der private Charakter des Besuchs in der musealisierten Wohnung verstärkt sich im Flur, wo der Gast seinen Mantel an dieselbe Garderobe hängt wie einst die Familie Freud. Gehstock und Hut von Freud sind immer noch dort.

47 Jahre, von 1891 bis 1938, hat der Kundschafter des Seelenlebens in diesen Räumen verbracht, hier empfing er seine Patienten, entstanden seine wichtigsten Bücher, bangte er um Kinder, Schwiegerkinder und Enkel, von denen einige schwermütig waren.

Freuds Alltag war streng geregelt. Neun Stunden Therapie, nur unterbrochen durch das Mittagessen. Immer genau 13 Uhr, stets drei Gänge: Suppe, Fleisch mit Beilage, Mehlspeise. Abends Arbeit am Schreibtisch, der stand am Fenster des Arbeitszimmers, mit schönem Blick in den mit Kastanien bewachsenen Hinterhof. Der Raum ist leer, eine bewusste Provokation, die an den Bruch in Freuds Biografie durch die Emigration erinnert. Nur Fotos an den Wänden, im Regal einige Bücher.

Das Genie war ein Patriarch, manchmal ein Tyrann. Einzige Ausnahme war Minna, die Schwester von Freuds Gattin Martha, die ein Zimmer neben dem Schlafgemach des Ehepaars hatte. Freud pflegte über viele Jahre ein Verhältnis mit Minna, durch eine kleine Tür, immer noch vorhanden, schlüpfte er regelmäßig in den Ehebruch.

In einem eigens eingerichteten Medienraum schauen Besucher sich die wenigen erhaltenen Film- und Tondokumente von Sigmund Freud von 1930 bis 1939 an. Was fehlt, ist die berühmte Couch. Freud nahm sie mit, als er nach London emigrierte, dort steht sie nun im Museum.

Die Idee, seine Patienten bequem zu lagern, damit sie körperlich entlastet über ihr Innerstes reden, kam nicht von ihm, sondern einer vermögenden Patientin. Sie schenkte ihm den Diwan, ein Möbel, das zum Inbegriff der Psychotherapie wurde.

Das Museum wurde 1971 mit Hilfe seiner jüngsten Tochter Anna eingerichtet. Dort finden auch Konferenzen und Symposien zu psychoanalytischen Themen statt. Und wer einmal in Freuds ehemaligen Salon speisen möchte, kann den Service „Dinner im Museum“ für bis zu zwölf Personen buchen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.