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16 August 2019
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16 August 2019

Sisi Museum

Die Feile in der Vitrine, sorgsam ausgeleuchtet, sieht seltsam lächerlich aus. Im September 1898 ist Elisabeth (1837-1898), die Ehefrau von Kaiser Franz Joseph I., in Genf. Der italienische Anarchist Luigi Lucheni brauchte ein prominentes Opfer.

Als Sisi, wie sie am Wiener Hof genannt wird, in Begleitung ihrer Hofdame zur Schiffsanlegestelle geht, stürzt er sich auf sie und treibt ihr eine Feile in die Brust. Sisi bricht auf dem Schiff zusammen, noch am selben Tag stirbt sie. Noch heute fallen Besucherinnen vor der Vitrine mit dem Mordwerkzeug in Ohnmacht, andere weinen. Sisi war die erste „Königin der Herzen“.

Sie war aber auch die erste Fürstin, die im Blickpunkt der Medien stand, und die erste Bulimie-Kranke, bei der alle Symptome dieser modernen Krankheit festgestellt wurden. Sie war eine stets Unverstandene, einsam inmitten eines Intrigantenstadels aus Hofschranzen.

Als der Kaiser sie heiratete, war sie noch ein Kind, 16 Jahre alt. Sie sollte einen Stammhalter zur Welt bringen, aber die melancholische bayerische Wittelsbacherin wollte eigentlich Dichertin werden, ausgerechnet der aufmüpfige Heinrich Heine war ihr Vorbild, sie schrieb im Briefe.

Im Museum, das seit 2004 in den Stephan-Appartements untergebracht ist, sind Sisis Polterabendkleid, Morgenmantel, Sonnenschirm und die Fächer zu sehen. Ihr Halsband, ihre Tringefäße, Statuen und Statuetten. Ihre Büste aus Carraramarmor, ihr Bett, zusammenklappbar, um es auf Reisen mitnehmen zu können. Ihr Schreibtisch, ihr Badezimmer, ihr Turnzimmer mit Sprossenwand, die Toilette, die niemand außer ihr benutzen durfte. Dazu Briefe, Telegramme, Parfumflakons, das Zahnhygienebesteck. sie litte unter Schlaflosigkeit, „vielwöchentlich“.

Der Bühnenbildner Rolf Langenfass hat all die Memorablien inszeniert, er war auch maßgeblich an der Neugestaltung im Jahr 2009 beteiligt. Sisi war eine der ersten Wellnessreisenden, stets auf der Suche nach Erleichterung, durch ganz Europa unterwegs im plüschigen Hofsalonwagen. Immer allein auf Reisen, denn nach vier Kindern hatten sich der Kaiser und die Kaiserin nichts mehr zu sagen. Ihr Leben wird in diesem Museum inszeniert wie ein Hollywoodfilm, in Wahrheit war es einsam.

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