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Hofreitschule in Wien Lipizzaner
Spanische Hofreitschule
16 August 2019

Zentralfriedhof

Wo der Tod ist, ist auch viel Leben. Innerhalb der acht Kilometer langen Ziegelmauer, die den Zentralfriedhof umgibt, haben sich in Kuhlen und Büschen zwischen den Gräbern Hasen, Fasane und Rebhühner einquartiert.

Eichhörnchen gleiten Baumstämme hinauf und hinunter und das eifrige Tackern eines Spechts zerhackt die Stille. Die Tiere vermehren sich so schnell, dass die Friedhofsleitung einmal pro Jahr für einen Jagdverein die Hatz auf die Hasen freigibt.

Anfahrt mit der Straßenbahnlinie 71. Hinter der Simmeringer Hauptstraße verkündet eine sonore Stimme: „Zentralfriedhof, erstes Tor.“ Erst zwei Haltestellen weiter ist Endstation. Das Reich der Toten ist ein riesiges Areal, deshalb steht auch ein Bus in den Landesfarben Weiß-Rot zur Verfügung. Die Allee zu den Gräbern ist breit wie eine sechsspurige Autobahn, Tausende Menschen pilgern täglich zu Grabstätten auf zweieinhalb Quadratkilometern. Marmor an Granit, Engel neben Heiligen.

Seit 1874 werden hier Tote beerdigt. Den Hauptanteil machen katholische Gräber aus, es gibt aber auch einen eigenen evangelischen sowie einen alten und neuen jüdischen Friedhof auf dem Gelände des Zentralfriedhofs; Orthodoxe, Muslime, Mormonen und seit 2005 auch Buddhisten haben ebenfalls eigene kleinere Abteilungen auf dem großen Areal.

Doch unabhängig von der Konfession: „Der Tod, das muss ein Wiener sein“, sang Georg Kreisler, Star des Wiener Kabaretts. Touristen zieht es zu den Grabstätten der Prominenten. Ein goldener Schmetterling flattert auf Beethovens Stele. Drei Engelchen halten den Vorhang für Franz von Suppé. Angestrengt blickt der steinerne Brahms auf eine verwischte Partitur. Auch Schubert und Johann Strauß ruhen hier. Scharen von Frauenskulpturen in wallenden Gewändern trauern um die großen Dahingegangenen. An die 500 Ehrengräber gibt es für Volksschauspieler, Soubretten, Zauberkünstler, Feldmarschälle und Gelehrte.

Die Totenkultur formte rührende, aber auch bizarre Steinblüten, Kolossalstatuen, antikisierende, barocke oder klassizistische Grabmäler, Urnen, Stelen, Obelisken, Säulen, Pyramiden und Kreuze, auch Totenköpfe und Gerippe.

Weithin sichtbar ist die blaugrüne Kuppel der gewaltigen Jugendstilkirche Karl-Borromäus. Die Ziffern der Turmuhr sind gegen Buchstaben ausgetauscht. TEMPUS FUGIT – die Zeit flieht.